Akzeptanz der Andersartigkeit Was ist Toleranz – was ist Akzeptanz?

Eines unsere neuen Online-Workshop-Themen ist Akzeptanz der Andersartigkeit. Wir haben uns den Fragen gewidmet: Was verstehen wir unter Akzeptanz und Toleranz? Wie unterscheiden sich diese? Welche Trigger habe ich und wie kann ich mit diesen leichter umgehen?

Akzeptanz und Toleranz sind zwei Begriffe, die im alltäglichen Gebrauch gerne als Synonyme verwendet werden. Allerdings sollte man sie voneinander abgrenzen: Während Tolerieren mit dulden, ertragen und gelten lassen umschrieben wird, geht es beim Akzeptieren um das Gutheißen, Annehmen und Anerkennen. Akzeptieren ist also ein aktiver Vorgang, für den ich mich persönlich entscheide. Tolerieren hingegen ist passiv, ein „Sich-nicht-dagegen-wehren-können“ – es fällt mir schwer und kostet mich Kraft und zieht mir Energie.

Akzeptanz bedeutet Annahme, heißt: die Meinungen und Gedanken von jemandem anzunehmen und zu übernehmen und das Verhalten oder die Aussagen einer Person sogar für gut zu befinden.

Tolerieren hingegen beschreibt nur die Duldung dessen, was jemand denkt oder macht, obwohl man nicht damit übereinstimmt und es gar für falsch hält.

Um das ganze griffiger zu machen, hier ein mögliches Beispiel vom vergangenen Weihnachtsabend: Stellen Sie sich vor, Ihre Schwiegermutter äußert sich in einem scharfen, unschönen Ton zu der winterlichen Dekoration des Esstischs, die Ihnen jedoch gut gefällt und welche Sie auch mit Herzblut vorgenommen haben.

Bevor Sie nun weiterlesen: Wie würden Sie spontan selbst reagieren?

Möglichkeit 1:
Sie greifen den schroffen Tonfall der Schwiegermutter auf und fahren die Schwiegermutter in ebenfalls schroffem Ton an, dass sie sich ja das nächste Mal selbst darum kümmern könnte.

In diesem Fall tolerieren Sie das Verhalten nicht. Es herrscht keine Toleranz!

Möglichkeit 2:
Sie denken sich, dass Sie sich selbst niemals (!) so äußern würden, und finden das Verhalten der Schwiegermutter absolut nicht in Ordnung.
„Ich finde es unverschämt (Was für eine Frechheit was nimmt sie sich da raus?), doch ich möchte beim Weihnachtsessen jetzt auch nicht streiten und die gute Stimmung verderben. Ich lasse sie einfach reden und behalte meine Gedanken bei mir.“
Sie ertragen und erdulden es. Das ist Toleranz!

Möglichkeit 3:
„Ach, die liebe Schwiegermama hat eben einen anderen Dekogeschmack als ich. Das ist sicherlich auch ein Generationsthema. Jeder tickt eben anders. Ich würde das zwar niemals in diesem Ton vor allen Gästen ansprechen – doch sie ist eben, wie sie ist, und ich werde sie auch nicht mehr ändern.“

Das ist Akzeptanz!

Rationelles Denken vs. getriggert werden

Doch was passiert in meinem Unterbewusstsein? Vor allem dann, wenn ich meine gewünschte Reaktion nicht so sachlich und sortiert steuern kann? Wenn mein rationelles Denken außer Gefecht gesetzt wird?

In unserem Workshop gehen wir dazu auf den Trigger-Kreislauf ein:

  • „Triggern“ bedeutet, dass jemand auf ein Ereignis, ein Bild, eine Aussage, ein Wort oder ein Verhalten eines anderen stark emotional reagiert.
  • Das rationale Denken wird ausgeschaltet und eine stark emotionale Reaktion ist die Folge.
  • Angst, Aggression oder Wut treten auf, ebenso schöne Gefühle wie Freude, Liebe oder einfach ein Lächeln auf den Lippen.
  • Dieser „Trigger“ führt zu einem reflexartigen, emotionalen Ausbruch, der sich nicht mit Vernunft erklären lässt, da er auf den sogenannten „roten Knopf“ eines Menschen drückt.

Umso mehr wir uns mit uns selbst beschäftigen, umso besser lernen wir auch unsere „roten Knöpfe“ kennen und diese zu kontrollieren.

Hier ein paar Beispiele für Triggerpunkte:

  • Werte– Wie werde ich begrüßt? Wie pünktlich ist mein Gesprächspartner?
  • GewohnheitenWann haben wir Mittagspause? Wie oft lassen wir Frischluft in den Raum?
  • SittenBlickkontakt halten, Esskultur oder kulturelle Rituale
  • LebensstileSteht die Arbeit oder meine Familie an erster Stelle?
  • Persönlicher Geschmack Kleidungsstil oder Tischdekoration 😉
  • Alter – Generationsunterschied? („früher war alles besser“, „heute macht man das so …“)
  • Ein bestimmtes Verhalten, eine Eigenart lautes, unangebrachtes Lachen, Unterbrechen, Schlürfen

Die aktive Akzeptanz ist erlernbar

Wie können wir diese erhöhen, so dass wir uns im Alltag leichter tun und gelassener werden? Vieles hat mit unserer persönlichen Einstellung zu tun. Versuchen Sie es doch mal mit …

  • Jeder hat eine andere persönliche Meinung. Hören Sie zu. Nehmen Sie die Grundhaltung ein: „Ich möchte verstehen, wie du zu dieser Ansicht kommst.“
  • Gibt es vorgeschriebene Normen, Spielregeln, Hausordnungen? – dann immer im Licht der Relativität sehen
  • Versuchen, sich von Vorurteilen frei zu machen – Es gibt unterschiedliche Menschentypen und das ist gut so (die unterschiedlichen Menschentypen respektieren und die Sichtweisen/den Handlungskodex des anderen akzeptieren).
  • Menschenliebe und Akzeptanz gehören zusammen. Wie stehe ich denn zu dem Beruf, den ich irgendwann einmal bewusst ausgewählt habe. Was stört mich an meinen Kolleginnen und Kollegen, Kunden oder an meinem Freundeskreis wirklich?
  • Seien Sie offen für Anregungen und Denkimpulse – Sind meine Ansichten und Erfahrungen für alle gültig?
  • Wer eine hohe Akzeptanz hat, der ärgert sich weniger und lebt deswegen länger. J
  • Jemand erzählt nachweislich Unsinn – nun, das ist seine Meinung. Teilen Sie Ihre persönliche Meinung mit. Hilfreiche Satzanfänge:
    • „Meine Erfahrung dazu ist …“
    • „Meine Sicht darauf ist …“
    • „Nach meinem Kenntnisstand …“
  • Stellen Sie sich selbst die Frage: „Wieso lehne ich etwas ab? Vor was habe ich Angst?“
  • Nehmen Sie die Themen nicht persönlich.
  • Haben Sie Geduld mit sich selbst und seien Sie milde zu sich ….

Wir wünschen Ihnen für das neue Jahr eine gute Balance zu Ihrer gewünschten Akzeptanz und wir sind gerne für Sie da, wenn Sie Unterstützung benötigen! Teilen Sie auch gerne Ihre gewonnenen Erkenntnisse mit uns. 

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