Die Komfort-Zone - Corona, alte Zöpfe und ein Fallschirmsprung

Haben Sie im Internet schon einmal den Begriff „Komfort-Zone“ gegoogelt? Die Suche nach diesem Begriff ergibt tatsächlich fast 26.200.000 Treffer - und eine Suche nach der Aufforderung „Komfort-Zone verlassen“ immerhin noch 81.200.

Aber was ist eigentlich eine Komfort-Zone? Und was hat diese mit Corona zu tun? Oder alten Zöpfen und einem Fallschirmsprung?

Schauen wir mal näher hin!

Der Begriff Komfort-Zone beschreibt laut Wikipedia einen von Bequemlichkeit und Risikofreiheit geprägten Bereich im privaten und gesellschaftlichen Leben. Sowohl räumlich als auch emotional befindet sich der Mensch in einem Angst-neutralen Verhaltenszustand. Alles, was ihn normalerweise triggert und emotional angespannt sein lässt, ist hier – zumindest eine Zeit lang – scheinbar nicht vorhanden.

Kein Wunder: Der menschliche Verstand ist Meister im Verdrängen und Sublimieren und in der Lage, sich Auszeiten vom angstmachenden und anstrengenden Leben zu schaffen, in denen nichts weiter geschieht, als dass die Zeit vergeht. Es fühlt sich dann erstmal richtig gut an, wenn die inneren Stimmen leiser werden und der Blutdruck sinkt. Herausforderungen werden nicht angegangen, jedes Verhalten, welches die unterschiedlichsten unterdrückten Angst-Nuancen bewusst machen könnte, wird vermieden. Selbst wenn man seinen Job nicht mag – er gibt Sicherheit.

Seit Jahren wird proklamiert, dass man eben aus dieser Komfort-Zone raus muss. Doch warum eigentlich? Und ist jetzt – in der Corona-Krise – dafür der richtige Zeitpunkt?

Schauen wir uns ein Schaubild zur Komfort-Zone einmal näher an. Unser Modell sieht vier Zonen vor. Es gibt auch Modelle mit drei Zonen – die Wachstums-Zone fehlt dort.

  1. Die „Komfort-Zone: der Bereich, in welchem wir uns bequem bewegen
  2. Die „Angst-Zone“: In der Angstzone finden wir immer wieder Ausreden, um die Komfort-Zone nicht zu verlassen. Hier sagen andere, was man tun oder nicht tun soll. Die in der aktuellen Corona-Krise allseits beliebten Hamsterkäufe finden in dieser Zone statt.
  3. Die „Lern-Zone“: Hier geht es darum, sich den Herausforderungen und Problemen zu stellen. In dieser Zone schneiden wir „alte Zöpfe“ in unserem Verhalten ab. Wir wagen uns an neue Herangehensweisen und stellen uns der Herausforderung. Wir entwickeln z.B. neue Produkte, weil unsere etablierten Angebote in der Corona-Zeit nicht durchführbar sind. Hier sind bei uns viele Online-Themen entwickelt worden.
  4. Die „Wachstums-Zone“: In dieser Zone setzen wir uns neue Ziele – mit den Erfahrungen aus der Lern-Zone. Hier etablieren wir unsere neuen Denk- und Herangehensweisen, wir professionalisieren uns und entwickeln ein neues Selbstbewusstsein.

Aber wie genau kommen wir jetzt von der „Komfort-Zone“ über die „Angst-Zone“ in die „Lern-Zone“ und sogar noch darüber hinaus in die „Wachstums-Zone“?

Wir müssen hierbei unterscheiden, ob wir durch äußere Umstände gezwungen werden, die Komfort-Zone zu verlassen – beispielsweise durch wirtschaftliche oder gesundheitliche Veränderungen wie in der aktuellen Corona-Situation. Oder denken wir an den Wunsch, unsere sportlichen Aktivitäten zu erhöhen, eine Weiterbildung in Angriff zu nehmen oder den Fallschirmsprung, der stellvertretend für das selbstbestimmte Verlassen der Komfort-Zone steht, damit wir im Alltag den „Adrenalin-Kick“ bekommen?

Eins vorweg - es gibt keine Patentlösung. Hier aber ein paar Tipps, die dabei helfen, von einer Zone in die andere zu gelangen:

In der Komfort-Zone:

Seien Sie aufmerksam, aber nicht zu streng mit sich. Niemand, auch Sie selbst nicht, sollte von sich erwarten, von jetzt auf gleich sein ganzes Leben aufzugeben und nach Amerika auszuwandern. Komfort-Zone heißt auch nicht, dass alles schlecht ist. Fangen Sie mit kleinen Dingen an. Starten Sie zum Beispiel damit, an ein, zwei Abenden der Woche den Fernseher ausgeschaltet zu lassen. Machen Sie stattdessen einen Spaziergang, etwas Sport oder lesen Sie ein Buch, das schon lange im Regal verstaubt.

Wenn Sie eher ein Morgenmensch sind, nehmen Sie sich vor, jeden Morgen dreißig Minuten vor Ihrer gewohnten Zeit aufzustehen. Das hört sich erstmal nicht verlockend an. Sie werden müde und wenig begeistert sein. Gleichzeitig haben Sie damit aber schon die Komfort-Zone verlassen.

Sinnvoller wird dieser Schritt, wenn Sie die gewonnene Zeit für sich nutzen - beispielsweise, um in Ruhe zu frühstücken oder vielleicht für ein 10-Minuten-Workout. Wichtig ist hier, dass Sie sich immer, wenn Sie die Komfort-Zone verlassen und ein gestecktes Ziel erreichen, dafür belohnen! Klopfen Sie sich selbst kräftig auf die Schulter, seien Sie stolz auf sich und tun Sie sich etwas Gutes, um den „Positiv-Anker“ bei sich selbst zu setzen.

In der Angst-Zone:

In dieser Zone nehmen die Veränderungen einen deutlich größeren Einfluss auf uns. Machen Sie sich daher bewusst: Fehler sind erlaubt, ja, sie müssen fast geschehen, wenn wir uns hinauswagen.

Fangen Sie damit an, Ihre Situation anhand Ihrer bisherigen Erfahrungen zu beschreiben und für sich zu bewerten. Begeben Sie sich danach auf „neutralen Boden“ und holen Sie sich von außen eine kritischere Meinung zu Ihren persönlichen Herausforderungen und Ängsten.

Suchen Sie sich Menschen, die Sie unterstützen. Sprechen Sie mit der Familie, Freunden, Coaches ... Haben Sie bei einer Veränderung zum Beispiel Fragen, suchen Sie sich die Fachleute in Ihrem Umfeld, die Ihnen diese Fragen beantworten können.  

Wichtig ist hier, dass Sie sich immer wieder daran erinnern, warum Sie die sichere Komfort-Zone verlassen haben und warum es sich jetzt lohnt durchzuhalten.

In der Lern Zone:

Aller Anfang ist schwer. Es muss nicht sofort eine komplette Typveränderung oder der Marathon sein. Setzen Sie ein paar Dinge auf Ihren Einkaufszettel, die Sie bisher noch nicht kannten, schauen Sie sich Ihre Laufeinheiten langfristig an und feiern Sie Ihre Erfolge - Sie sind jetzt automatisch in der Lern-Zone.

Führen Sie Tagebuch. Beantworten Sie sich zum Beispiel täglich die folgenden Fragen in Ihrem Buch:

Wer oder was hat mich heute glücklich gemacht ...?
Auf was bin ich heute stolz ...?
Ich bin dankbar für …?
Wichtig ist hier, NEUE Gewohnheiten aufzubauen oder ALTE auszubauen.

In die Wachstums-Zone:

In der letzten Zone geht es darum, den neu gefundenen Mut zu nutzen und damit zu wachsen. Übernehmen Sie die Kontrolle über Ihre Gedanken und erkennen Sie Ihren eigenen Handlungsspielraum. Ihre Erfahrungen aus der Lern-Zone werden „in Fleisch und Blut übergehen“. Es geht jetzt darum, kleine Schritte nach vorne zu machen und im Hier und Jetzt zu etablieren.

Fazit:

Jede Krise ist unangenehm, sie holt uns aber aus der Komfort-Zone des eingeschliffenen Alltags und bietet die Chance, Dinge und Vorgehensweisen zu hinterfragen und neue Wege zu gehen. Zum Verständnis: Wir sprechen an dieser Stelle nicht über lebensbedrohende Krisen – da sehen die Fakten noch einmal anders aus.

Sehen wir uns zum Beispiel die Reisetätigkeit bei Job-Besprechungen in der aktuellen Corona-Zeit an. Wir werden auch nach Corona sicher seltener wegen einer kurzen Besprechung Hunderte von Kilometern fahren oder quer durch die Republik fliegen. Es geht auch – und sogar effizienter – mit digitalen Medien. Schauen wir auf unsere Netzwerke. Konnten wir schon irgendwann einmal deutlicher fühlen, wie wichtig unsere Netzwerke sind?

Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, Gewohnheiten zu hinterfragen, neue zu finden und abgenutzte auszumustern.

Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie dieses Thema für sich näher beleuchten möchten. Wir sind gerne Ihre Partner und Begleiter beim Hinsehen!

 

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